{"id":10,"date":"2025-10-26T12:23:44","date_gmt":"2025-10-26T11:23:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.heimrevolte.de\/?page_id=10"},"modified":"2025-10-26T13:08:24","modified_gmt":"2025-10-26T12:08:24","slug":"theaterstueck-heimrevolte-nicht-nur-peter-i-love-you-oder-allet-scheisse","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.heimrevolte.de\/?page_id=10","title":{"rendered":"Theaterst\u00fcck \u201eHeimrevolte \u2013 Nicht nur \u201aPeter, I love you\u2018 oder \u201aAllet schei\u00dfe\u2019\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das Theaterst\u00fcck ist das Ergebnis des dreisemestrigen Projektstudiums \u201eUni in gesellschaftlicher Verantwortung\u201c an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Erziehungswissenschaft der Uni Hamburg, das sich beginnend im Wintersemester 2021\/22 mit dem Thema \u201eHeimerziehung als p\u00e4dagogisches Konfliktfeld\u201c auseinandergesetzt hat.<\/p>\n<h3>Prolog<\/h3>\n<figure id=\"attachment_128\" class=\"wp-caption alignright\" aria-describedby=\"caption-attachment-128\">\n<p><figure id=\"attachment_128\" aria-describedby=\"caption-attachment-128\" style=\"width: 212px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Plakat2_Heimrevolte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-128 size-medium\" src=\"https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Plakat2_Heimrevolte.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-128\" class=\"wp-caption-text\"><em>Plakat zur Premiere des Theaterst\u00fccks<\/em><\/figcaption><\/figure><figcaption id=\"caption-attachment-128\" class=\"wp-caption-text\"><\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eWenn du nicht brav bist, kommst du ins Heim\u201c. S\u00e4tze wie dieser pr\u00e4gen seit Jahrzehnten die Erziehung vieler Kinder. Woher kommt es, dass diese Aussage als eine Bedrohung wahrgenommen wird? Wieso hat die Heimerziehung so einen weitverbreiteten schlechten Ruf? Mit diesen Fragen ist auch die Frage nach der Ausrichtung der Jugendhilfe insgesamt aufgeworfen: Geht es darum, Kinder und Jugendliche vor allem anzupassen oder darum, M\u00f6glichkeiten daf\u00fcr zu schaffen, sich zu Pers\u00f6nlichkeiten zu entwickeln, die gesellschaftlich handlungsf\u00e4hig sind? Diese und weitere Fragen rund um Heimerziehung als politisches und p\u00e4dagogisches Konfliktfeld werden in diesem Theaterst\u00fcck diskutiert und vielleicht sogar beantwortet.<\/p>\n<p>Diese Auseinandersetzung ist wichtig, denn immerhin sind laut\u00a0<a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Soziales\/Jugendarbeit\/Tabellen\/hilfen-erziehung-jungevolljaehrige.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Statistischem Bundesamt<\/a>\u00a0im Jahr 2021 \u00fcber 122.000 Kinder und Jugendliche von Hilfen zur Erziehung in einer Form von \u201eHeimerziehung, sonst. betreute Wohnform\u201c nach \u00a7 34 SGB VIII betroffen gewesen.<\/p>\n<p>Entstanden ist das St\u00fcck durch uns Studierende des Projektstudiums \u201eUni in gesellschaftlicher Verantwortung\u201c in der Fakult\u00e4t Erziehungswissenschaft der Universit\u00e4t Hamburg. Seit drei Semestern setzen wir uns intensiv mit den historischen und aktuellen Konflikten rund um die Heimerziehung in Deutschland auseinander. Inspiriert von Peter Martin Lampels St\u00fcck \u201eRevolte im Erziehungshaus\u201c aus dem Jahr 1928 haben wir ein eigenes Theaterst\u00fcck geschrieben und inszeniert, welches einen Beitrag zur Debatte um die Ausrichtung der Heimerziehung und P\u00e4dagogik insgesamt leisten soll.<\/p>\n<p>Der Titel des St\u00fccks erinnert zum einen an den Autoren des urspr\u00fcnglichen Theaterst\u00fccks und ist gleichzeitig ein Zitat aus dem Fernsehspiel \u201eBambule\u201c, nach dem Drehbuch von Ulrike Meinhof, deren (journalistische) Arbeiten seit Ende der 1960er Jahre eine Vorreiterrolle in der Aufkl\u00e4rung der autorit\u00e4ren Methoden in der F\u00fcrsorgeerziehung und der strukturellen Unterdr\u00fcckung von Kindern in Heimen spielten.<\/p>\n<p>Ziel unseres Theaterst\u00fccks ist es, \u00fcber die Entwicklung von Heimerziehung und geschlossener (Heim-)Unterbringung aufzukl\u00e4ren, die bestehende Problematik sichtbar zu machen und nach Alternativen zu fragen. Denn auch heutzutage entspricht die restriktive Praxis in vielen Heimen nicht den Ma\u00dfst\u00e4ben von lebensweltorientierter und demokratischer P\u00e4dagogik. In diesem Sinne fragen wir: Wie muss eine Revolte beschaffen sein, damit sie zu nachhaltigen demokratischen Ver\u00e4nderungen in der Heimerziehung und dar\u00fcber hinaus in der Jugendhilfe f\u00fchren kann?<\/p>\n<h3>Historischer Hintergrund:<\/h3>\n<p>In Heimen der F\u00fcrsorgeerziehung wurden seit jeher arme und Arbeiterkinder und -jugendliche untergebracht. Meist wurde mit besonderer H\u00e4rte versucht, sie an die b\u00fcrgerliche Ordnung anzupassen, etwa indem sie schwere Arbeit in der Landwirtschaft oder im Torfabbau leisten mussten. August Brandt kritisierte diese Zust\u00e4nde in\u00a0<em><a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/gefesselte-jugend-in-der-zwangsfursorgeerziehung-1929\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eGefesselte Jugend in der Zwangsf\u00fcrsorgeerziehung\u201c\u00a0<\/a>(<\/em>1929) scharf:\u00a0<em>\u201eDie F\u00fcrsorgeerziehung ist in ihrer ganzen Bedeutung eine soziale und damit eine politische Angelegenheit. Sie ist eine soziale Angelegenheit, weil dieser Klassenstaat nichts tut, um die Ursachen der Verwahrlosung breiter proletarischer Kinderschichten zu verh\u00fcten [\u2026], sondern sie im Verlauf ihrer Entwicklung sich selbst \u00fcberl\u00e4\u00dft, sie hungern, frieren und auch schwer arbeiten l\u00e4\u00dft, sie dem Wohnungselend mit allen seinen gesundheitlichen und sittlichen Sch\u00e4den preisgibt, um dann, wenn dem Jugendlichen durch diese soziale Barbarei die Jugend zerst\u00f6rt wurde, ihn von Staatswegen durch Zwangserziehung zu \u201abef\u00fcrsorgen\u2018. [\u2026]\u201c\u00a0<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_134\" class=\"wp-caption alignright\" aria-describedby=\"caption-attachment-134\"><a href=\"https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/SchwereArbeit.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-134\" src=\"https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/SchwereArbeit-300x225.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" srcset=\"https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/SchwereArbeit-300x225.jpg 300w, https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/SchwereArbeit-768x576.jpg 768w, https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/SchwereArbeit.jpg 1024w\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-134\" class=\"wp-caption-text\">Einblick in die Proben: Ausbeutung in der F\u00fcrsorgeerziehung (<a href=\"https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Ausbeutung-in-der-Fuersorgeerziehung-Foto-Projektstudium-Uni-in-gesellschaftlicher-Verantwortung.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Foto in hoher Aufl\u00f6sung<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Heimrevolten in der Weimarer Republik, die sich gegen diese Zust\u00e4nde richteten, wurden in dem Theaterst\u00fcck\u00a0<em>\u201eRevolte im Erziehungshaus\u201c\u00a0 <\/em>(1928) von Peter Martin Lampel thematisiert. Das St\u00fcck, das an die 500 Mal gespielt wurde und f\u00fcr gro\u00dfe \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit sorgte [1], basiert auf seiner Hospitation in der preu\u00dfischen F\u00fcrsorgeanstalt Struveshof bei Berlin und auf den darauf aufbauenden Studien \u201e<em>Jungen in Not\u201c<\/em> (1928). Die Berichte ergaben das Bild unzureichend geleiteter, von veralteten Erziehungsvorstellungen beherrschter Erziehungsheime. Lampel verstand die Ver\u00f6ffentlichung seiner Studien als k\u00e4mpferischen Akt, um die in dem Bereich nur langsam anlaufenden Reformbewegungen voranzutreiben. Im Vorwort schreibt er:\u00a0<em>\u201eDie b\u00fcrgerliche F\u00fcrsorge bedarf einer umw\u00e4lzenden und schleunigsten Ver\u00e4nderung.\u201c<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_135\" class=\"wp-caption alignright\" aria-describedby=\"caption-attachment-135\"><a href=\"https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Speisekammerpluenderung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-135\" src=\"https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Speisekammerpluenderung-300x225.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" srcset=\"https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Speisekammerpluenderung-300x225.jpg 300w, https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Speisekammerpluenderung-768x576.jpg 768w, https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Speisekammerpluenderung.jpg 1024w\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-135\" class=\"wp-caption-text\">Einblick in die Proben: Pl\u00fcnderung der Speisekammer (<a href=\"https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Pluenderung-der-Speisekammer-Foto-Projektstudium-Uni-in-gesellschaftlicher-Verantwortung.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Foto in hoher Aufl\u00f6sung<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nachdem in den 1960er\/70er Jahren im Rahmen der \u201eHeimkampagne\u201c die Situation in den Heimen der Nachkriegs-BRD scharf kritisiert worden war, kam es zu Ver\u00e4nderungen in diesem Arbeitsfeld. Die Konflikte darum ziehen sich jedoch bis in die Gegenwart hinein. Auch heute noch werden Kinder und Jugendliche aus (besonders) prek\u00e4ren Lagen in (geschlossener) Heimerziehung untergebracht, die sich h\u00e4ufig durch sogenannte Stufen- und Phasenmodelle, welche einer Dressur gleichen, sowie eine zunehmende Psychiatrisierung auszeichnet. Exemplarisch daf\u00fcr stehen die Heime des Jugendhilfe-Tr\u00e4gers Haasenburg GmbH in Brandenburg, die 2013 nach breitem \u00f6ffentlichen Protest gegen die dort aufgedeckten Kinderrechtsverletzungen geschlossen werden mussten.<\/p>\n<p>Ein Betroffener beschrieb im Jahr 2018 stellvertretend f\u00fcr viele andere die Erfahrungen, die er als Jugendlicher in einem Heim der Haasenburg GmbH machen musste, im Rahmen des\u00a0<a href=\"https:\/\/www.geschlossene-unterbringung.de\/2020\/07%20\/dressur-zur-muendigkeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eTribunals \u00fcber die Verletzung von Kinderrechten in der Heimerziehung\u201c<\/a>[2] wie folgt: \u201eDas Leidvollste w\u00fcrde ich sagen, war das Eingesperrtsein und diese wirklich extreme Strenge. Das hat nichts mit normaler Strenge zu tun, wie man es mit seinen eigenen Kindern machen w\u00fcrde, sondern die extrem distanzierte Strenge und dieses, dieses ausgeliefert sein (. . .) gar nichts selbst entscheiden zu k\u00f6nnen, nicht mal den Toilettengang. Und diese Isolation, kein Kontakt zu den Eltern und mit den anderen Kindern, das war schon pr\u00e4gend.\u201c[3]<\/p>\n<p>Dutzende ehemalige Insassen der Haasenburg-Heime haben inzwischen eine Interessengemeinschaft gegr\u00fcndet, die darauf zielt, Entsch\u00e4digungszahlungen durchzusetzen sowie dazu beizutragen, dass sich ihre Geschichte nicht wiederholt.<\/p>\n<h3>Konflikt um die geplante Jugendhilfeeinrichtung im Klotzenmoorstieg<\/h3>\n<figure id=\"attachment_133\" class=\"wp-caption alignright\" aria-describedby=\"caption-attachment-133\"><a href=\"https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/RunderTisch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-133\" src=\"https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/RunderTisch-300x225.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" srcset=\"https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/RunderTisch-300x225.jpg 300w, https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/RunderTisch-768x576.jpg 768w, https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/RunderTisch.jpg 1024w\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-133\" class=\"wp-caption-text\">Einblick in die Proben: Der \u201eRunde Tisch Heimerziehung\u201c ganz anders. (<a href=\"https:\/\/aufbruch.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Der-Runde-Tisch-Heimerziehung-ganz-anders-Foto-Projektstudium-Uni-in-gesellschaftlicher-Verantwortung.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Foto in hoher Aufl\u00f6sung<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>In Hamburg ist es u.a. durch eine fachliche Bewegung von unten (vgl. die Veranstaltung ,,Heimkarriere \u2013 Die W\u00fcrde des Kindes ist unantastbar?\u201c in der Markthalle im April 1980) gelungen, die<br \/>\nStaatsb\u00fcrokratie so sehr zum Tanzen zu bringen, dass 1980 die geschlossene Unterbringung abgeschafft werden musste. Es folgte eine umfassendere Reform des Jugendhilfe-Systems, in der bis Ende der 1980er Jahre diverse (p\u00e4dagogische) Alternativen entwickelt wurden.[4]<\/p>\n<p>Im Jahr 2003 wurde durch den CDU-Schill-Senat eine geschlossene Unterbringung f\u00fcr Jugendliche in der Feuerbergstra\u00dfe (Hamburg-Nord) eingerichtet, die nach massiver Kritik an den dortigen Zust\u00e4nden 2008 geschlossen werden musste.<\/p>\n<p>Aktuell wird von der Stadt Hamburg erneut eine \u201ehochstrukturierte\u201c Jugendhilfeeinrichtung geplant (f\u00fcr max. 16 Kinder und Jugendliche), die laut Konzept auch mit Freiheitsentzug arbeiten soll, im Stadtteil Gro\u00df Borstel am Klotzenmoorstieg. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche im Alter von 9-13 Jahren im Grenzbereich zwischen Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie mit \u201egeringer Frustrationstoleranz\u201c. Vorgesehen ist interne Beschulung und \u201eheilende Architektur\u201c.[5]<\/p>\n<p>Die Staatsr\u00e4tin der Sozialbeh\u00f6rde erkl\u00e4rte in der WELT vom 20.09.2020, es gehe darum \u201efr\u00fcher [zu] erkennen, was den Kindern fehlt und ihnen helfen zurechtzukommen\u201c. Die taz vom 22.09.2020 berichtete unter dem Titel \u201eDoch wieder Kinderknast\u201c und lie\u00df verschiedene kritische Stimmen zu Wort kommen.<\/p>\n<p>Seitdem haben sich unterschiedliche Akteure ablehnend bis kritisch ge\u00e4u\u00dfert. Der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.soal.de\/aktuelles\/soal-diskussionspapier-zur-geplanten-einrichtung-klotzenmoorstieg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alternative Wohlfahrtsverband SOAL e.V.<\/a>\u00a0charakterisierte im Juni 2021 die bis dato vorliegende Konzeption der Einrichtung als \u201e\u00fcberholt\u201c und machte konkrete Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Entwicklung alternativer Unterst\u00fctzungssettings.[6]<\/p>\n<p>Anfang des Jahres 2022 mischten sich das Aktionsb\u00fcndnis gegen geschlossene Unterbringung und der AKS Hamburg mit einer breit getragenen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.geschlossene-unterbringung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Stellungnahme_Klotzenmoorstieg_AKS_Aktionsbuendnis_mit_Unterstuetzern_10.03.2022_.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eStellungnahme f\u00fcr den Ausbau sozialr\u00e4umlicher Unterst\u00fctzungsangebote und gegen Ausschluss durch Einschluss und freiheitsentziehende Ma\u00dfnahmen in der Jugendhilfe\u201c<\/a>\u00a0in die Debatte ein. Sie sprechen sich darin daf\u00fcr aus, die f\u00fcr die Errichtung dieser spezialisierten Einrichtung vorgesehenen Ressourcen f\u00fcr den Ausbau und die Weiterentwicklung eines sozialr\u00e4umlichen multiprofessionelles Hilfenetzes zu verwenden.[7]<\/p>\n<p>Jugendhilfe-Einrichtungen, die mit Zwang, Einschluss und Absonderung arbeiten, haben keine r\u00fchmliche Geschichte \u2013 weder in Hamburg noch andernorts. Statt solche Ans\u00e4tze neu aufzulegen, sollten die vorliegenden sozialr\u00e4umlichen Alternativen weiter ausgebaut und eine an den Rechten von Kindern und Jugendlichen ausgerichtete Jugendhilfe gestaltet werden.<\/p>\n<p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Aktionsb\u00fcndnis gegen geschlossene Unterbringung: <a href=\"https:\/\/www.geschlossene-unterbringung.de\">www.geschlossene-unterbringung.de<\/a><\/li>\n<li>Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit Hamburg: <a href=\"https:\/\/akshamburg.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/akshamburg.wordpress.com<\/a><\/li>\n<li>Verband Kinder- und Jugendarbeit Hamburg e.V.:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.vkjhh.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.vkjhh.de<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h3>R\u00fcckblick auf das Projektstudium \u201eHeimerziehung als p\u00e4dagogisches Konfliktfeld\u201c ab Wintersemester 2021\/22<\/h3>\n<p>Um das Theaterst\u00fcck schreiben zu k\u00f6nnen, war ein intensiver Gruppenarbeitsprozess notwendig sowie diverse Gespr\u00e4che mit aktuell Betroffenen und Beteiligten, z.B. mit ehemals in der Haasenburg in Brandenburg untergebrachten Jugendlichen oder mit Aktiven aus dem Verein \u201eMOMO \u2013 Voice of disconnected Youth\u201c e.V.<\/p>\n<p>Im ersten Semester des Seminars haben wir uns anhand von Literatur und Film mit der Entwicklung der Heimerziehung in Geschichte und Gegenwart auseinandergesetzt.<\/p>\n<p>Wichtige Quellen waren f\u00fcr uns die von Peter Martin Lampel (1928) gesammelten Erfahrungsberichte von in der Weimarer Republik in einem F\u00fcrsorgeerziehungsheim untergebrachten \u201eJungen in Not\u201c, die Flugschrift \u201eGefesselte Jugend in der F\u00fcrsorgeerziehung\u201c der Internationalen Arbeiterhilfe (1929) und die Schilderungen der Anfang der 2000er Jahre in den Heimen der Haasenburg GmbH untergebrachten Jugendlichen (\u201eDressur zur M\u00fcndigkeit?\u201c, (Degener et al. 2020)), Fernsehspiele bzw. Filme \u201eBambule\u201c (Drehbuch: Ulrike Meinhof 1970), \u201eFreistatt\u201c (Regie: Marc Brummund 2015) und \u201eSystemsprenger\u201c (Regie: Nora Fingscheidt 2019), sowie das Theaterst\u00fcck \u201eRevolte im Erziehungshaus\u201c (Peter Martin Lampel) von 1928.<\/p>\n<p>Lampels Theaterst\u00fcck machte die Heimrevolten der Weimarer Republik zum Thema und war, entgegen unserer Erwartungen, Inspiration daf\u00fcr ein eigenes Theaterst\u00fcck zu schreiben, um die Kontinuit\u00e4ten und Br\u00fcche im Konflikt um die Heimerziehung zu bearbeiten. Zum Abschluss des ersten Semesters machten wir ein gemeinsames Theaterwochenende, bei dem wir das erste Mal in die schauspielerische Praxis einstiegen und Standbilder und Szenen ausprobiert haben.<\/p>\n<p>Im zweiten Semester stand die Erstellung und das Schreiben des St\u00fcckes im Mittelpunkt. Wir haben die Akte, die Figuren und die Handlungen entwickelt und auch dieses Semester wurde abgerundet von einem gemeinsamen Theaterworkshop, bei dem sich die ersten Schauspieler*innen herauskristallisierten.<\/p>\n<p>Das dritte und abschlie\u00dfende Semester diente der konkreten Vorbereitung und Umsetzung des St\u00fcckes: Rollen wurden festgelegt, es wurde begonnen zu proben, Kost\u00fcme und Requisiten wurden besorgt, Plakate und Postkarten vorbereitet. Anfang Januar 2023 finalisierten wir das St\u00fcck w\u00e4hrend einer intensiven<br \/>\nProbenwoche.<\/p>\n<p><strong>Endnoten<\/strong><\/p>\n<p>[1] Vgl. Kunstreich, Timm (2014): Grundkurs Soziale Arbeit, Band l, S. 144f. Online:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.timm-kunstreich.de\/publikationen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.timm-kunstreich.de\/publikationen<\/a><br \/>\n[2] Vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.geschlossene-unterbringung.de\/2020\/07%20\/dressur-zur-muendigkeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.geschlossene-unterbringung.de\/2020\/07 \/dressur-zur-muendigkeit\/<\/a><br \/>\n[3] Degener, Lea et al. (2020): Dressur zur M\u00fcndigkeit? \u00dcber die Verletzung von Kinderrechten in der Heimerziehung, Beltz, S. 54<br \/>\n[4] Vgl. Bittscheidt, Dorothee in: Degener et al. (2020), S. 151-159<br \/>\n[5] Gewissen Aufschluss \u00fcber die Konzeption gibt bisher eine Pr\u00e4sentation, die am 11.08.2021 im Jugendhilfeausschuss des Bezirks Hamburg-Nord gezeigt wurde und nach der freiheitsentziehende Ma\u00dfnahmen nach \u00a7 1631 b BGB explizit vorgesehen sind (vgl. S. 16 in der Pr\u00e4sentation, die \u00fcber\u00a0<a href=\"https:\/\/sitzungsdienst-hamburg-nord.hamburg.de\/bi\/allris.net.asp\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/sitzungsdienst-hamburg-nord.hamburg.de\/bi\/allris.net.asp<\/a>\u00a0abrufbar ist).<br \/>\n[6]\u00a0<a href=\"https:\/\/www.soal.de\/aktuelles\/soal-diskussionspapier-zur-geplanten-einrichtung-klotzenmoorstieg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.soal.de\/aktuelles\/soal-diskussionspapier-zur-geplanten-einrichtung-klotzenmoorstieg<\/a><br \/>\n[7]\u00a0<a href=\"https:\/\/www.geschlossene-unterbringung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Stellungnahme_Klotzenmoorstieg_AKS_Aktionsbuendnis_mit_Unterstuetzern_10.03.2022_.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.geschlossene-unterbringung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Stellungnahme_Klotzenmoorstieg_AKS_Aktionsbuendnis_mit_Unterstuetzern_10.03.2022_.pdf\u00a0<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Theaterst\u00fcck ist das Ergebnis des dreisemestrigen Projektstudiums \u201eUni in gesellschaftlicher Verantwortung\u201c an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Erziehungswissenschaft der Uni Hamburg, das sich beginnend im Wintersemester 2021\/22 mit dem Thema \u201eHeimerziehung als p\u00e4dagogisches Konfliktfeld\u201c auseinandergesetzt hat. 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